Die frühere Robotron-Kantine, einst geprägt von klaren Abläufen und strikten Nutzungsgrenzen zwischen Gästen, Anlieferung und Personal, verwandelt sich in ein offenes, wandelbares und zugleich vielseitig nutzbares Haus für Ausstellungen und Veranstaltungen. Die präsente Position des denkmalgeschützten Pavillonbaus wirkt als verbindendes Element zwischen dem Großen Garten und der Altstadt Dresdens.
Der Entwurf setzt auf eine prozessuale Weiterentwicklung in zwei aufeinander aufbauenden Phasen, wobei das Baudenkmal sowohl als Zeitzeugnis der Ostmoderne erhalten bleiben, als auch die Spuren der jüngeren, noch unerzählten Nachwendegeschichte von Leerstand, Umformung und temporärer Aneignung (z.B. Graffiti am Brüstungsband der Terrasse) bewahren soll. Die neu entstehende Durchwegung durch das Kunst- und Kulturzentrum verknüpft den präsenten Haupteingang mit der bisherigen Gebäuderückseite und betont die Rolle des Hauses als neuen Dritten Ort im Quartier. Die beiden seitlichen Glasfassaden interagieren als Aussichts- und Schaufenster mit der Umgebung, wobei die umlaufende Terrasse als vermittelnde Schicht gedacht wird – sie dient als Wandelgang und erweiterter Ausstellungsbereich für Kunst im Außenraum.
In einer dialogischen Kooperationsarbeit mit Hütten & Paläste und wurde die Robustheit des Bestandes herausgearbeitet: Sämtliche unter Denkmalschutz stehenden Raumkonfigurationen und Oberflächen bleiben erhalten. Die festgelegte Ordnung der ehemaligen Kantine wird durch punktuelle Eingriffe im Grundriss in eine wandelbare, verschaltbare und flexible Raumgestaltung überführt. Schon in dieser ersten Phase (Realisierungsteil) soll durch die thermische Ertüchtigung der Gebäudehülle ein ganzjähriger Veranstaltungs- und Ausstellungsbetrieb ermöglicht werden, der alle Räume im Erd- und einen Kernbereich des Untergeschosses umfasst. Auf eindeutig definierte Raumzuweisungen wird teilweise zugunsten von temporären Überlagerungen und veränderbaren Raumgrenzen verzichtet.
Den Nutzenden wird ein Set an Raumwerkzeugen zur Verfügung gestellt, um Raumbedarfe für verschiedene Medien und Formate selbst herstellen zu können. Dadurch entsteht eine Architektur der Anpassungsfähigkeit und Gleichzeitigkeit, in der parallele Bespielung, kurze Wege und ein vielfältiges Raumangebot möglich gemacht werden. Die Säle bleiben offene Räume, die mittels mobiler Gitter- und Gerüstwände in ihrer Größe und Form frei konfigurierbar sind (s. Verschaltungs-ABC). Durch diese Kombinationsmöglichkeiten entsteht ein Raumcluster aus einer Vielzahl von Optionsräumen, die flexibel durch den Museumsbetrieb konfiguriert werden können.
Die Eingriffe in den Bestand werden ressourcenschonend und minimal gehalten, für räumliche Setzungen wird die Grundstruktur des Bestands genutzt und weitergedacht: Reparatur geht vor Neuerstellung. Mobile Raumelemente werden aus kostengünstigen und einfachen Materialien, z.B. Gerüstbauelemente, Bauzäune, Absperrgitter erstellt, welche zukünftig auch in eine andere Nutzung überführt werden können. Funktionstüchtige Bauelemente, wie etwa Türen, werden auch mit Brandschutzanforderungen wiederverwendet. Schadstoffe / Altlasten werden nur dort zurückgebaut, wo Freilegungen bzw. Eingriffe erfolgen. Neue Materialien und Elemente, die im Realisierungsteil ergänzt werden, werden in der zweiten Phase (Ideenteil) konsequent weitergenutzt und bestehen weitestgehend aus nachwachsenden Rohstoffen wie Stroh, Holz und Cellulose.
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Bearbeitung: 2025-2026
Auslober: Landeshauptstadt Dresden
Leistungen: Vorentwurf im Rahmen eines Wettbewerbs, 2. Preis
